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Aktuelles

Besuch eines Zeitzeugen

Am Vormittag des 24.01.24 bekamen wir, als die Schülerzeitung am THG die Möglichkeit, mit Herrn Bison, einem ehemaligen Schüler zu sprechen, der zur Zeit des 2. Weltkriegs als Schüler das THG besuchte. Herr Bison ist nun schon 93 Jahre alt und ließ sich am Mittwoch von uns interviewen.  

Während des Treffens mit dem Zeitzeugen besuchten wir zwei Kurse, die auch Fragen an ihn vorbereitet hatten.  Rückblickend sei das Schüler-Lehrer-Verhältnis zwar anders als heute, aber gut gewesen, so Hans Hermann Bison.  

Es hätte aber wie auch heute gute und schlechte Lehrer und Schüler gegeben.  

„Die Lehrer waren aber alle schon um die 60 Jahre alt.“ Die meisten seien Soldaten und Offiziere aus dem 1. Weltkrieg gewesen, so Bison.  

Viele Schüler aus dem Pädagogik-Leistungskurs fragten sich auch, ob der Alltag im Nationalsozialismus auch Einfluss auf die politische Gesinnung der Schüler hatte. Diese Frage beantwortete der Zeitzeuge damit, dass zwar die Schulbücher an die damalige politische Situation angepasst worden waren, das Thema Politik aber keinerlei Einfluss auf den Schulalltag hatte.  

Woran er sich aber erinnere, ist, dass die morgendliche Begrüßung der Lehrer immer mit erhobenem Arm und dem Spruch „Heil Hitler“ stattfand.  

Zur Überraschung aller antwortete Herr Bison auf die Frage, ob ihn die NS-Zeit für sein Leben geprägt hätte, damit, dass jegliche Prägung nach dem Ende der Regentschaft der Nationalsozialisten „wie weggeblasen“ war. Viel eher die Entwicklung des Grundgesetzes vom parlamentarischen Rat 1948-1949 hatte er intensiv mitverfolgt.  

Aber auf die Frage einer Schülerin hin, ob er auch heute noch positive Erinnerungen an seine Jugend habe, erzählte Herr Bison, dass die damalige „Hitlerjugend“, ein Programm, an dem alle Kinder der NS-Zeit ab 10 Jahren verpflichtet teilnehmen mussten, mit diversen Freizeit-Aktivitäten wie Wandern oder Zelten versuchte, den Kindern und Jugendlichen eine schöne Zeit zu bereiten. Wie die BPB berichtet  seien die Meinungen von Zeitzeugen zur „Hitlerjugend“ aber noch heute sehr gespalten. Manche erinnern sich an ihre Jugend zur NS-Zeit und beschreiben eine Freizeitgestaltung wie eine Wander- oder Pfadfinderbewegung, während andere ihre Zeit in der „Hitlerjugend“ als unangenehme Pflichtveranstaltung mit missbräuchlichen, manipulativen Verhaltensweisen der Betreuer beschreiben. Seine durch den ersten Weltkrieg veränderten Familienverhältnisse beschrieb der ehemalige THG-Schüler, als eher kompliziert, da sein Vater nach dem ersten Weltkrieg, in dem er als Soldat gekämpft hatte, starb, und die Erziehung von ihm und seinem vier Jahre jüngeren Bruder allein bei seiner Mutter lag. Sein Elternhaus und seine Erziehung beschrieb Hans-Hermann Bison nicht als sehr streng, jedoch hat der Krieg die Familie nicht wirklich näher zusammengebracht. „Der Krieg hat viele Menschen eher getrennt als zusammengeschweißt.“  

Mich interessierte noch, wie man zur damaligen Zeit, denn wohl die Schulpausen verbracht hat. Herr Bison konnte sich noch gut daran erinnern, dass er sich in den großen Pausen immer mit seinen Mitschülern um die „Herrschaft“ um den Ascheberg stritt, der aus der Asche von den Heizungen bestand und von den Kindern „Anneberg“ genannt wurde. Das war damals nur möglich, weil der Naturwissenschafts-Trakt am heutigen THG noch nicht dort stand, und es einen großen Schulhof gab.  

Nach dieser angeregten Fragerunde gab es eine kurze Pause, in der auch noch ein Reporter der NRZ kam, um ebenfalls über Herrn Bison zu berichten, während dieser einen weiteren Unterrichtsbesuch machte. Der Neunte Jahrgang hat im Schulfach Geschichte aktuell das Thema des 2. Weltkriegs. Die Schüler aus der neunten Klasse waren auch an Herrn Bisons damaligem Unterricht am THG interessiert. Ein Schüler stellte die Frage, ob es damals andere Fächer gegeben hat, was Herr Bison verneinte. Allerdings hatte sein Jahrgang wohl erst in der „Oberprima“ künstlerische Fächer wie Musik und Kunst, weil es keine Lehrer für diese Fächer gab.  

Ein anderer Schüler fragte nach Kriegsschäden in Dinslaken. Herr Bison erzählte daraufhin von einem der ersten Großen Bombenangriffe im Jahr 1944 auf viele große Städte in Deutschland, unter denen auch Dinslaken war. Des Weiteren berichtete Herr Bison davon, wie seine Mutter seine Familie ein paar Tage vor dem 23.03.1945 ins Sauerland brachte, weil sie ahnte, dass etwas Schlimmes passieren würde. Als sie dann wenig später nach dem 23. März zurückkamen, fanden sie ihr Haus und die Meisten Teile von Dinslakens Innenstadt in Trümmern vor. Zum Ende des Kriegs trug Dinslaken und die Umgebung viele Kriegsschäden von Bombenangriffen der Alliierten davon, die taktisch Dinslakens Nachbarstädte Wesel, Rees und Emmerich nacheinander zerstörten. Aber auch etwa ein Dutzend Häuser aus der Neustrasse waren „plattgemacht“. 

Nach dem Krieg, so Herr Bison, kamen dann die „Notjahre“. Es gab viel Hunger und Armut, sodass Bauern kurzzeitig zu den „Königen“ des Landes wurden, weil sie genug zu essen hatten. „Es wurden auch teure Teppiche getauscht, nur gegen einen Sack Kartoffeln.“  

Das hatte aber mit sofortiger Wirkung ein Ende nach der Währungsreform 1948. „Da waren alle Sorgen weg.“ Am Ende des Interviews sagte Herr Bison, er blicke stolz auf ein sehr abwechslungsreiches Leben zurück.  

Die abschließende Frage einer Schülerin, ob er mit Blick auf die aktuelle politische Situation Zweifel an der Stabilität der Demokratie habe, antwortete er, dass er die Demokratie in Deutschland für gesichert hält, und dass eine solche Staatsform immer länger halte als eine Diktatur.  

Herr Bison beschrieb sich als überzeugten Demokraten, den besonders der Prozess um die Verfassung des Grundgesetzes prägte. Anhand der großen Demonstrationen zeige sich gerade aktuell, die enorme Zustimmung zur Demokratie. Mit diesem doch positiven Ausgang des Gesprächs beendete Schulleiter Herr Nett das Interview.  

Diese Reportage wurde von Emma Nieland und Fabian Laroche geführt und geschrieben