Zu Gast beim Generalvikar: Offenes Gespräch über die Kirche und ihre Finanzen

Drei Wochen lang hat sich der Religionskurs KR-Q2 intensiv mit dem Thema Kirche und Geld beschäftigt. In Gruppen haben sie zusammen mit externen Fachleuten Fragen erarbeitet, die sie dem Generalvikar des Bistums Münster, Norbert Kleyboldt, vorlegten. An den Vorbereitungen beteiligt waren Guido Busch von der Caritas Dinslaken, Josef Hermsen vom Kirchensteuerrat, sowie aus der Gemeinde St. Vincentius Dinlaken Kaplan Bernd Holtkamp und Petra Harbeck vom Kirchenvorstand. Am Mittwoch, dem 21. Januar, war es dann soweit. Der Besuch in Münster im Spiegelturm zwischen Überwasserkirche und Domplatz stand an. Zusammen mit seinem Haushaltsexperten, Markus Isfort, empfing Kleyboldt die 16 Schüler im großen Sitzungssaal. Nach einer kurzen Begrüßung ging es auch gleich in die Materie, schließlich brannten den Schülern so einige Fragen unter den Nägeln. Gleich vorweg die Frage nach der prozentualen Verteilung des Bistumshaushalts, denn dort hatte die Gruppe, die mit Josef Hermsen vom Kirchensteuerrat gearbeitet hatte, eine Lücke von knapp 10 Prozent aufgetan, für die sie nun eine Erklärung haben wollten. Generalvikar Kleyboldt überreichte das Wort an seinen Experten, der den Schülern noch differenzierter jeden Haushaltsposten erklärte und dabei auch die fehlenden Prozente als Reserve für ungeplante Ausgaben aufgriff. Dabei fiel auch der Blick auf die Etatmittel für die Caritas, die den Schülern mit etwa zehn Prozent doch recht gering vorkamen. Hier bohrte die Gruppe, die Guido Busch von der Cariats Dinslaken als Experten befragt hatte, noch einmal nach. Generalvikar Kleyboldt nutzte dieses Beispiel, um über die Finanzpolitik der Kirche zu sprechen. Er gab zu, dass es innerhalb der Kirche schon Überlegungen gebe, die Finanzpolitik zu reformieren. Die Kirche und eben auch das Bistum müsse wirtschaftlich denken, ohne allerdings auf Gewinn aus zu sein. Dies sei in manchen Fällen eine schwierige Gratwanderung.
Gerade auch mit Blick auf den Mindestlohn stellte er sich allerdings auf die Seite der Arbeitnehmer und forderte durchaus die freiwillige Bezahlung des Mindestlohns auch für Schüler. Konkrete Zugeständnisse konnte er dazu natürlich nicht geben und so bleibt es wohl beim Wunsch. Allerdings stellte er sich auch hinter die Aussagen der Enzyklika evangelii gaudium, in der Papst Franziskus eine „Kirche der Armen“ forderte. Kaplan Holtkamp hatte die Enzyklika mit den Schülern bearbeitet und die Finanzpolitik aus diesem Blickwinkel kritisch hinterfragt. Kleyboldt sieht hier mehr noch als die Institution Kirche jeden Einzelnen in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Er selbst sei lieber in einer reichen als in einer armen Kirche, da man so noch Mittel habe, tatsächlich etwas zu tun und verwies zum Beispiel auf die Unterstützung von Projekten in Lateinamerika.
Zum großen Erstaunen der Schüler berichtete der Generalvikar, der der ständige Vertreter des Bischofs ist, dass das Bistum Münster derzeit über einen Haushalt von über 400 Millionen Euro und ebenso viele Millionen als Rücklage verfüge.
Zuletzt konnten Generalvikar Kleyboldt und Haushaltsexperte Isfort erläutern, warum es im Bistum Münster nicht zu „Limburger Verhältnissen“ kommen könne. Es gebe keinen sogenannten Schattenhaushalt, über den der Bischof frei verfügen könnte. Grundsätzlich gebe es immer mehrere Kontrollstellen, die jede Ausgabe überprüfen. Insbesondere der Kirchensteuerrat stelle dabei ein grundlegendes Instrument der Kontrolle dar, auch für den sogenannten Bischöflichen Stuhl.
Für die Zukunft sieht der Generalvikar zwar deutliche Veränderungen auf die Kirche und auf das Bistum zukommen, angst und bange werde ihm beispielsweise angesichts der Kirchenaustritte aber nicht.Am Ende bedankte sich der Kurs für das offene Gespräch.

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